Montag, Oktober 20, 2014

Von: Thomas Schulte

Andrea Lemm

Vortrag Funktionaler Analphabetismus


Vortrag Funktionaler Analphabetismus: Andrea Lemm - Volkshochschule Schieder-Schwalenberg (links), Präsident Lions Club Blomberg Alfred Westermann (rechts)

Auf Einladung von Präsident Alfred Westermann referierte Frau Andrea Lemm von der Volkshochschule Schieder-Schwalenberg zum Thema "Funktionaler Analphabetismus". Sie bezog sich dabei auf die aktuellen Ergebnisse der Leo-Studie (Link siehe Anlage) und eigene Erfahrungen.

"Funktionaler Analphabetismus betrifft kumuliert mehr als vierzehn Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung (Lage auf Alpha-Level 1-3, 18-64 Jahre). Das entspricht einer Größenordnung von 7,5 Millionen Funktionalen Analphabet/inn/en in Deutschland. Davon wird bei Unterschreiten der Textebene gesprochen, d.h., dass eine Person zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben kann, nicht jedoch zusammenhängende – auch kürzere – Texte. Betroffene Personen sind aufgrund ihrer begrenzten schriftsprachlichen Kompetenzen nicht in der Lage, am gesellschaftlichen Leben in angemessener Form teilzuhaben. So misslingt etwa auch bei einfachen Beschäftigungen das Lesen schriftlicher Arbeitsanweisungen.

Fehlerhaftes Schreiben trotz gebräuchlichen Wortschatzes zeigt sich bei weiteren fünfundzwanzig Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung, dies betrifft vor allem die Rechtschreibung (Lage auf Alpha-Level 4, 18-64 Jahre). Das entspricht über 13 Millionen Menschen in Deutschland. Davon wird gesprochen, wenn auf Satz- und Textebene auch bei gebräuchlichen Wörtern langsam und/oder fehlerhaft gelesen und geschrieben wird. Die Rechtschreibung, wie sie bis zum Ende der Grundschule unterrichtet wird, wird nicht hinreichend beherrscht. Typische Betroffene vermeiden das Lesen und Schreiben häufig.

Analphabetismus im engeren Sinne betrifft mehr als vier Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung (Lage auf Alpha-Level 1-2, 18-64 Jahre). Davon wird bei Unterschreiten der Satzebene gesprochen, d.h., dass eine Person zwar einzelne Wörter lesend verstehen bzw. schreiben kann – nicht jedoch ganze Sätze. Zudem müssen die betroffenen Personen auch gebräuchliche Wörter Buchstabe für Buchstabe zusammensetzen." (Zitat Leo Level One Studie Presseheft. Anke Grotlüschen/ Wibke Riekmann 2011, Seite 2)

Besonders erschreckend sind die Werte im Berufsfeld der Bauindustrie, wo 56% Funktionale Analphabeten arbeiten - gefolgt vom Berufsfeld Reinigungspersonal und Hilfskräfte, die mit 40 % ebenfalls einen überaus hohen Anteil an Mitarbeitenden mir fehlenden Lese- und Schreibkenntnissen stellen.

Präsident Alfred Westermann liegt die Lese- und Schreibkompentenz sehr am Herzen - sie ist wesentlich für die gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen! Hilfe wird u. a. in Volkshochschulen angeboten, es bedarf aber oft des Mut machenden positiven Anstoßes von Freunden und Bekannten, einen Kurs der Lese- und Schreibkompetenz zu besuchen. Nur so kann es gelingen, diesen Personenkreis nicht von der Weiterbildung auszuschließen und die berufliche Exisitenz auf sichere Beine zu stellen!

Alfred Westermann dankte Frau Lemm ausdrücklich für ihren Vortrag und das große Engagement in der Weiterbildung von Funktionalen Analphabeten. Vor der Kulturkompetenz des Lesens- und Schreibens darf niemand ausgeschlossen werden. 7,5 Milionen Funktionale Analphabeten in Deutschland sind für unseren High Tech Industriestandort ganz sicher zu viel! Hier muss und sollte gehandelt werden. Nochmals Dank an Präsident Alfred Westermann für das mutige Aufgreifen eines vielleicht verdrängten Themas.


 
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