Montag, Juli 29, 2013

Von: Thomas Schulte

Kultur und Inklusion - "Der kleine Prinz" in neuer Fassung

Vortrag von Johannes Willenberg - "Der Kleine Prinz" in der Fassung der UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderung


Präsident Dr. Bernd Sommer (rechts) begrüßt Herrn Johannes Willenberg (links) zum Vortrag über das Thema Inklusion und Kultur - Der Kleine Prinz (in neuer Fassung)

Zum Ferienstammtisch des Lions Clubs Blomberg überraschte Präsident Dr. Sommer die Anwesenden auf der Terrasse der Burg Blomberg mit einem ganz besonderen Gast: Johannes Willenberg, Geschäftsführer des AURA Zentrums Bad Meinberg, auch als Theaterschauspieler und Autor bekannt, referierte über Inklusion im Kulturleben - aus allgemeiner sowie persönlicher Sicht als selbst hochgradig Sehbehinderter.

Nach der Vorstellung des Gastes durch Präsident Sommer stellt sich Johannes Willenberg als einen ausgesprochen schauspiel- und kulturbegeisterten Menschen vor, den die Arbeit als Schauspieler von jung an nicht mehr los lies. Eine Besonderheit ergänzte er - er persönlich ist leider hochgradig Sehbehindert! So ist er in der Arbeit als Schauspieler auf die Unterstützung anderer angewiesen - egal, ob diese behindert sind oder nicht. Gemeinsam im Team ist man stark - das gilt für alle Gruppen, und erst gerade recht für Behinderte! So schrieb er als Autor das Theaterstück "Der kleine Prinz in der Fassung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung". In der letzten Aufführung in Dortmund wurden die Rollen allesamt von Behinderten gespielt - wichtig ist hier zu bemerken: Jeder behinderte Schauspieler spielte nicht seine eigene, sondern eine fremde Behinderung! So zwingen sich hier sehr schnell die Fragen auf: Wer ist eigentlich behindert? Wer behindert wen? Warum ist das Miteinander manchmal schwerer, als man denkt?

Zurück zum Theaterstück. 4 Menschen sind gemeinsam unterwegs: Eine blinde und eine taubstumme Frau, ein Mann, der nicht spricht, sondern nur über seine Klarinette kommuniziert und ein in seiner geistigen Entwicklung zurück gebliebener Junge. Sie treffen auf Anton, einen Mann, der in einem Müllcontainer wohnt und Probleme hat, seine „Wohnung“ zu verlassen. Bei dem Versuch, ihm aus dem Container zu helfen, treffen die 5 auf unterschiedliche Menschen: Eine scharf kalkulierende Amtsfrau, eine zartbeseitete Rollifahrerin, einen König, dessen Dienstfahrrad defekt ist, unterschiedliche Vertreter der Behindertenselbsthilfe und ein sonderbares Künstlerpärchen, das vielleicht einen Weg nach Inklusinien kennt. Die Figuren wirken ernst und lustig zugleich - soviel wird verraten, in den 90 Minuten Spielzeit werden neben Herz und Kopf auch ganz besonders die Lachmuskeln angesprochen!

Die Reduktion des Begriffs Behinderung auf "Rollifahren" greift nach Ansicht von Herrn Willenberg nicht nur zu kurz, sie ist auch falsch. Wenn ein Effektor oder Sensor nicht mehr funktioniert, so sind alle anderen Möglichkeiten im System Mensch noch umsetzbar. Das heißt - Menschen mit Behinderung können auch weiterhin aktiv leben und erleben. Diesen breiten Ansatz verfolgt er täglich in seiner Funktion als Geschäftsführer des AURA Zentrums für Blinden- und Sehbehinderte.

Der Vortrag von Johannes Willenberg begeisterte alle Anwesenden durch unerwartete Perspektivwechsel in die Welt der Behinderten, durch seine künstlerische Kreativität als Autor des "Kleinen Prinzen" in neuer Fassung, aber ganz besonders durch seine einfühlsame Warmherzigkeit und Authentizität.

Sehr geehrter Herr Willenberg - ausdrücklichen Dank für das gelungene Vortragserlebnis. Ausdrücklich auch herzlichen Dank an Präsident Dr. Sommer für Spontanität und gelungene Überraschung mit diesem Vortragsgast und seiner Kunst, auf seine einfühlsame Art viel positive Betroffenheit zu erzeugen.


 
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